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VDE äußert sich zu nichtzertifizierten Wechselrichtern

In Neues, Unternehmen
Juli 19, 2023

Vor wenigen Tagen berichteten wir, dass der Hamburger Hersteller von Balkonkraftwerken Wattmeister keine Deye-Wechselrichter mehr verbauen will, da diese in der Form prinzipiell nicht zugelassen seien. Ihnen fehle ein sicherheitsrelevantes Relais.

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) hat nun auf eine Anfrage von heise online Stellung bezogen zur Situation der fehlenden NA-Schutz-Relais bei den Deye-Mikrowechselrichtern. Das Normungsgremium des VDE hat die Norm VDE-AR-N 4105 entwickelt, die besagt, dass dieses Relais erforderlich ist. Der Verband ist der Ansicht, dass die Voraussetzungen für die Betriebserlaubnis nicht mehr gegeben sind, wenn das verwendete Zertifikat nach VDE-AR-N 4105 ungültig ist.

Der VDE geht davon aus, dass „dass bei einer Bestätigung durch die BNetzA betroffene Erzeugereinheiten unverzüglich außer Betrieb gesetzt und zurückgerufen werden müssen“. Es ist nicht die Aufgabe des VDE, Vorwürfe des Vorsatzes oder möglicherweise begangener Straftaten zu untersuchen; diese Verantwortung liegt bei den zuständigen Behörden.

Deye hat mittlerweile darauf reagiert und bietet eine Lösung an, bei der das von der VDE-Norm geforderte Relais durch ein externes ersetzt werden soll. Der Hersteller betont zudem, dass die Nachrüstung eines externen, mechanischen Relais die Lebensdauer des Systems verlängern würde, da das Relais so nicht den hohen Betriebstemperaturen im Inneren des Mikrowechselrichters ausgesetzt ist. Das externe Relais lässt sich schon bestellen.

Der VDE hat Zweifel an der Erfüllung der Normen durch die von Deye vorgeschlagene zusätzliche Relais-Box geäußert. Der Verband betonte, dass das Nachrüsten eines externen Relais nicht ohne weiteres möglich ist. Es müsste ein vollwertiger zentraler NA-Schutz sein, der alle entsprechenden Anforderungen erfüllt. Eine Lösung, bei der der Verbraucher den NA-Schutz eigenständig integrieren und lösen kann, entspricht nicht den Anforderungen der geltenden internationalen und nationalen Normen.

Auch seitens der Bundesnetzagentur sieht man diese Lösung derzeit skeptisch. So müsse die Relais-Box zuerst ein Konformitätsverfahren durchlaufen und dann als Nachweis dafür ein CE-Kennzeichen erhalten.

Deye ist nicht der einzige Wechselrichter-Hersteller, vor dem die Bundesnetzagentur schon Anfang Juni gewarnt hatte. Auch die Mikrowechselrichter der Hersteller Bosswerk und TSUN scheiterten an der Normenkonformität, heißt es von der Bundesnetzagentur. Bosswerk habe mittlerweile reagiert und sein Produkt technisch so verändert, dass es im Verkauf bleiben darf.

Für die Endkunden der in den Solaranlagen verbauten nicht zertifizierten Wechselrichter folgt im schlimmsten Fall ein Entzug der Betriebserlaubnis und damit ein Umtausch der Geräte.

Eine Gefahr für Menschen gehe grundsätzlich aber nicht davon aus, sagte TüV-Rheinland Pressesprecher Alexander Schneider. Zwar sei es die grundlegende Funktion des Relais, die Stromproduktion zum Beispiel bei einer Wartung komplett zu deaktivieren, aber da nur kleine Kondensatoren verbaut sind, ist der ausgelöste elektrische Schlag vergleichbar mit der statischen Aufladung durch Kleidung oder einem Teppich.