135 views 4 mins 0 comments

Steigen durch China die Preise für Solarzellen?

In Neues
Juli 04, 2023
two men carrying a metal sheet

China schränkt die Ausfuhr von Germanium und Gallium ein, die für die Herstellung von Elektronik und Halbleitern von entscheidender Bedeutung sind. China und die USA befinden sich schon länger in einem technologischen Handelskrieg, der seit 2019 eskaliert. Die USA haben schwarze Listen und weitreichende Exportbeschränkungen eingeführt, um China von wichtigen Technologiekomponenten und Halbleitern oder Chips abzuschneiden.

China hat bisher kaum Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, bezeichnete aber im Mai das US-Chipunternehmen Micron als „großes Sicherheitsrisiko“. Nun wendet sich Peking den Bereichen zu, in denen es eine gewisse Stärke hat – den Metallen und Materialien, die in Elektronik und Halbleitern verarbeitet werden. Das chinesische Handelsministerium teilte am Montag mit, dass neue Vorschriften vorsehen, dass Exporteure von Gallium und Germanium eine Lizenz für den Versand der Metalle einholen müssen. Peking begründete die neuen Vorschriften mit der nationalen Sicherheit.

Germanium und Gallium sind Metalle, die in der Natur nicht in Reinform vorkommen. Sie werden stattdessen meist als Nebenprodukt bei der Raffination anderer Metalle hergestellt. Germanium, ein silbrig-weißes Metall, entsteht als Nebenprodukt bei der Zinkherstellung. Das ebenfalls weiche, silbrige Metall Gallium hingegen ist ein Nebenprodukt der Verarbeitung von Bauxit und Zinkerzen.

Germanium hat mehrere Verwendungszwecke, unter anderem in Solarprodukten und in der Faseroptik. Das Metall ist für Infrarotstrahlung durchlässig und kann in militärischen Anwendungen wie Nachtsichtbrillen eingesetzt werden. Gallium wird für die Herstellung der chemischen Verbindung Galliumarsenid verwendet, aus der beispielsweise Hochfrequenzchips für Mobiltelefone und Satellitenkommunikation hergestellt werden können. Diese Verbindung ist auch ein Schlüsselmaterial in Halbleitern. Die Herstellung von Galliumarsenid ist kompliziert, und es gibt nur wenige Unternehmen auf der Welt, die dazu in der Lage sind. Eines davon ist in Europa angesiedelt, die anderen befinden sich in Japan und China, so die CRM Alliance.

China produziert 60 % des weltweiten Germaniums und 80 % des Galliums, so die Critical Raw Materials Alliance, ein Branchenverband.

Die Eurasia Group äußerte sich am Montag zu Chinas Vorhaben und nannte es einen Warnschuss, aber kein Todesstoß. „Die neuen Regeln verlangen zwar, dass chinesische Exporteure zunächst eine Lizenz einholen, aber keine Formulierung verbietet automatisch den Export in bestimmte Länder oder an bestimmte Endverbraucher.“

Die USA und Europa importieren keine großen Mengen dieser Materialien. Den Angaben der Regierung zufolge erhielten die USA im Jahr 2022 Galliummetall im Wert von 5 Millionen Dollar und Galliumarsenid im Wert von 220 Millionen Dollar. Die Germaniumeinfuhr war mit 60 Millionen Dollar höher, während die EU 2022 Germanium im Wert von 130 Millionen Dollar importierte, wie aus Daten von S&P Global Market Intelligence hervorgeht.

Auch andere Länder sind in der Lage, diese Metalle zu produzieren. Belgien, Kanada, Deutschland, Japan und die Ukraine können Germanium herstellen. Japan, Südkorea, die Ukraine, Russland und Deutschland stellen inzwischen Gallium her. Zudem gibt es mittlerweile potenzielle Ersatzstoffe für diese Metalle.

Aufgrund seiner Größe ist China aber in der Lage, diese Metalle zu niedrigeren Kosten als anderswo zu produzieren. Die Eurasia Group stellt fest, dass Pekings Maßnahmen angesichts des angestrebten Umfangs nur begrenzte Auswirkungen auf das weltweite Angebot haben werden. „Es ist ein Schuss vor den Bug, der Länder wie die Vereinigten Staaten, Japan und die Niederlande daran erinnern soll, dass China Vergeltungsmaßnahmen ergreifen kann, und der sie davon abhalten soll, den chinesischen Zugang zu hochwertigen Chips und Werkzeugen weiter einzuschränken“, so die Eurasia Group.