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Photovoltaik: Niedersachsens größte Dach-Anlage ist in Betrieb

In Neues
April 12, 2024

Die leistungsstärkste Dach-Solaranlage Niedersachsens hat ihre Tore geöffnet. Seit kurzem produziert die Anlage auf einer Fläche von 62.100 Quadratmetern mit einer Spitzenleistung von 12,8 Megawatt in Brake. Installiert wurden 31.000 Solarmodule, verteilt auf zehn Dächer des Seehafenterminals. Diese beeindruckende Installation ist Teil der Bemühungen der Unternehmensgruppe J. Müller, ihren Hafen in Brake zu einem „Grünen Hafen“ zu transformieren.

Das ehrgeizige Projekt, welches elf Millionen Euro kostete, zielt darauf ab, die beiden großen Saugheber des Terminals – die Schiffe mit Getreide entladen – überwiegend mit selbst produziertem Solarstrom zu versorgen. Diese Geräte haben einen enormen Energiebedarf von 900 Kilowatt pro Stunde. Durch den Einsatz von Solarenergie können jährlich 5,8 Millionen Kilogramm CO2 eingespart werden, was einen signifikanten Beitrag zur Klimaneutralität der niedersächsischen Häfen bis 2035 leisten soll.

Interessanterweise nutzt die Unternehmensgruppe lediglich etwa 54 Prozent des erzeugten Stroms selbst, was etwa 6.665.000 Kilowattstunden im Jahr entspricht. Die Restmenge wird aufgrund der schwankenden Bedarfszeiten, die sich nach den Fahrplänen der Schiffe richten, ins Netz eingespeist. Aufgrund der hohen Kosten und der Unwirtschaftlichkeit zum Zeitpunkt der Planung wurden keine Speichermöglichkeiten für den Solarstrom implementiert.

Die neue Anlage ermöglicht es der Unternehmensgruppe, 37 Prozent ihres gesamten Strombedarfs zu decken und macht sie weniger abhängig von den schwankenden Strompreisen auf dem internationalen Markt. Uwe Schiemann, verantwortlich für die Nachhaltigkeit im Unternehmen, betont, dass der Antrieb zum Bau der Anlage auch durch die Energiekrise infolge des Russland-Ukraine Konflikts kam.

Trotz der bürokratischen Herausforderungen, die bei der Planung und Errichtung der Anlage auftraten, entschied sich die Unternehmensgruppe gegen die Beantragung von Fördermitteln und zog stattdessen spezialisierte Berater hinzu. Das Projekt dauerte von der Entscheidung im März 2022 bis zur Fertigstellung im Juni 2023 über ein Jahr, ein Beleg für den enormen Aufwand, der mit der Realisierung solch großer Projekte verbunden ist.

In Niedersachsen sind solche Solarprojekte aufgrund ihres Potenzials zur Reduzierung von CO2-Emissionen und zur Schaffung unabhängiger Energiequellen sehr willkommen, doch wird oft die Komplexität durch bürokratische Prozesse und mangelndes Engagement der Wirtschaft bemängelt. Lars Günsel vom Landesverband Erneuerbare Energien betont das große Potenzial für Photovoltaikanlagen auf Industriedächern und wünscht sich mehr Einsatz seitens der Wirtschaft.