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Orbitale Spiegel revolutionieren die Solarenergiegewinnung

In Neues
Januar 16, 2024

In einem ambitionierten Projekt namens Solspace arbeiten Wissenschaftler der Universität Glasgow an einer bahnbrechenden Methode, um die Energieausbeute von Solaranlagen deutlich zu steigern. Durch den Einsatz gigantischer Reflektoren im Orbit soll es möglich werden, die Betriebszeit von Photovoltaikanlagen täglich um 15 bis 20 Minuten zu verlängern, indem das Sonnenlicht in den Dämmerungsphasen am Morgen und Abend zusätzlich auf die Solarmodule gelenkt wird.

Diese innovative Idee, die fast an Science-Fiction grenzt, könnte die Art und Weise, wie wir Solarenergie nutzen, grundlegend verändern. Die vorgesehenen Satelliten werden in einen sonnensynchronen Orbit etwa 900 Kilometer über der Erdoberfläche positioniert. Ihre Aufgabe ist es, mittels großer, entfalteter Reflektoren das Sonnenlicht während der Dämmerung auf Solarparks zu richten, um deren Betriebszeiten ohne die Notwendigkeit zusätzlicher Energiequellen zu verlängern.

Ein einzelner, sechseckiger Reflektor mit einer Kantenlänge von 250 Metern kann, bei idealen Bedingungen, pro Überflug eine Fläche von etwa zehn Kilometern Durchmesser mit Sonnenlicht versorgen und dabei rund 34 Megawattstunden Solarenergie zur Erde senden. Diese Reflektoren, hergestellt aus einem leichten Polyimid-Material, das mit Aluminium beschichtet ist, werden durch ein ausgeklügeltes System von Gyroskopen gesteuert. Damit können sie präzise ausgerichtet werden, um Solarparks gezielt zu beleuchten und bei Nichtgebrauch so gedreht werden, dass keine Lichtverschmutzung entsteht.

Das Konzept solcher Orbitalspiegel zur Reflektion von Sonnenlicht auf die Erde ist nicht neu und reicht zurück bis in die 1920er Jahre, als es von dem Raumfahrtpionier Hermann Oberth vorgeschlagen wurde. Die russische Raumfahrtagentur Roskosmos demonstrierte bereits 1993 mit dem Satelliten Znamya-2 die praktische Umsetzbarkeit dieses Konzepts.

Dieses Projekt erinnert an die Idee der weltraumgestützten Solarenergiegewinnung (Space-based Solar Power, SBSP), bei der Solarmodule im Weltall platziert werden, um dort Sonnenlicht in elektrische Energie umzuwandeln, die dann in Form von Mikrowellen zur Erde gesendet und in Strom umgewandelt wird. Fortschritte in der Raumfahrttechnologie, die Reduktion von Transportkosten ins All und die industrielle Fertigung von Satelliten haben die Rahmenbedingungen für solche ambitionierten Projekte in den letzten Jahren erheblich verbessert.

Das Solspace-Projekt steht exemplarisch für innovative Ansätze, die das Potenzial haben, die Nutzung von Solarenergie weltweit zu revolutionieren, indem sie die Verfügbarkeit und Effizienz von Solarstromanlagen signifikant erhöhen.