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Europas Solarindustrie: Ein Start-Up stemmt sich gegen den Trend

In Neues
April 08, 2024

Inmitten der herausfordernden Konkurrenzsituation durch günstige Importe aus China plant das französische Start-Up Carbon den Aufbau der größten Solarzellfabrik Europas. Bis zum Jahr 2025 soll nahe Marseille eine Produktionsstätte entstehen, die jährlich fünf Gigawatt oder umgerechnet zehn bis zwölf Millionen Photovoltaikmodule produzieren kann. Mit diesem ambitionierten Projekt, das bis 2030 auf eine Kapazität von 20 Gigawatt erweitert werden soll, möchte Carbon ein starkes Signal für die Wiederbelebung der europäischen Solarindustrie setzen.

Der Gründer Pierre-Emmanuel Martin, ein Veteran der Energiebranche, sieht trotz der schwierigen Marktsituation und der Insolvenz mehrerer Solarunternehmen in Europa eine Chance für eine Erholung und Neuausrichtung der Branche. Martin verfolgt mit Carbon nicht weniger als den Traum, Europa wieder an die Spitze der Solartechnologie zu führen und eine Art „Airbus der Solarbranche“ zu etablieren.

Die Herausforderungen, vor denen Carbon steht, sind gewaltig. Die Billigkonkurrenz aus China hat vielen europäischen Herstellern zugesetzt, was zu Fabrikschließungen und Insolvenzen geführt hat. Doch Martin setzt auf die Unterstützung durch die französische Regierung, die bereits ein klares Bekenntnis zur Förderung der heimischen Solarindustrie abgegeben hat. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire forderte kürzlich, dass zukünftige Solarparkprojekte in Frankreich mindestens 30 Prozent ihrer Module aus europäischer Produktion beziehen sollen.

Mit einem Investitionsvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro für den Standort bei Marseille und einer potenziellen staatlichen Förderung von bis zu 200 Millionen Euro positioniert sich Carbon strategisch in der europäischen Solarlandschaft. Der französische Staat sowie internationale Investoren, darunter der Reedereiriese CMA CGM, haben bereits Interesse bekundet, das Vorhaben zu unterstützen.

Martin und sein Team sind überzeugt, dass die europäische Solarindustrie nur durch Größe und eine gemeinschaftliche Strategie im globalen Wettbewerb bestehen kann. Dabei setzt Carbon auch auf die Entwicklung robuster und kosteneffizienter Importketten für Rohmaterialien und glaubt, die Produktionskosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau senken zu können.

Die Entscheidung, in Marseille eine der größten Solarfabriken Europas zu errichten, ist nicht nur ein mutiger Schritt gegen den Strom, sondern auch ein klares Zeichen für das Potential und die Notwendigkeit einer nachhaltigen und unabhängigen Energieversorgung in Europa. Mit dem Engagement von Carbon und der Unterstützung durch die Politik könnte ein neues Kapitel für die europäische Solarindustrie aufgeschlagen werden, das die Region wieder zu einem wichtigen Player auf dem globalen Solarmarkt macht.